
Der erste Tag fing recht unspektakulär an. Das Weltkulturerbe von Nikko umfasst zwei Schreine und einen Tempel. Am meisten beeindruckt hat mich der Tosho-gu-Schrein, vor allem durch die Größe der Anlage. Es gehören zahlreiche Gebäude zum Schrein, interessanterweise auch typisch buddhistische Elemente. Ursprünglich war die Anlage als möglichst prunkvolle Begräbnisstätte für einen Shogun gedacht. Der Erbauer konnte sich hierbei wohl nicht so ganz zwischen Schrein (Shintoismus) oder Tempel (Buddhismus) entscheiden. Irgendwann in der Meiji-Zeit wurde die Anlage dann wohl einfach als Schrein definiert.

Etwas weniger imposant ist der Futara-san-Schrein. Trotzdem fühle ich mich an dieser Stelle verpflichtet auch hierzu ein paar Worte zu verlieren. An diesem Schrein (der soweit ich weiß auch zum Weltkulturerbe gehört) entstand nämlich das folgende Bild:

Ich verstehe ja, dass die ursprüngliche Treppe gewisse Sicherheitslücken aufweist, da kein Geländer vorhanden ist. Trotzdem ist die Lösung, die sich die Verantwortlichen hier haben einfallen lassen, meines Erachtens nicht gerade adäquat für ein Weltkulturerbe. Dass es sich nicht um eine vorübergehende Lösung handelt, zeigt die Tatsache, dass die Farbe des Flatterbands auf der Sonnenseite schon völlig verblasst ist.

Richtig spannend wurde es aber am Abend als wir uns in der Touristeninformation eine Wanderkarte für den nächsten Tag holen wollten. Der eigentliche Plan war, mit dem Bus zum Chuzen-ji-See zu fahren und von dort aus auf den Nantai-san (einen erloschenen Vulkan) zu steigen. Die nette Dame von der Information war kaum noch zu halten als wir sie von unseren Plänen unterrichtet haben. Es sei jetzt (außerhalb der official climbing season) viel zu gefährlich, den Berg zu besteigen. Zudem liege viel zu viel Schnee und gestern seien vier Menschen durch einen Lawinenabgang ums Leben gekommen. Diese Aussagen haben sogar uns Ausländer, die sich im Zweifel nicht von willkürlich gewählten offiziellen Bergsteig-Zeitfenstern beeindrucken lassen, dazu veranlasst, eine Alternative zu wählen. Für die Alternative hat sie uns zwar auch noch vor Bären gewarnt, aber nicht mehr ganz so vehement (kein Witz), sodass wir das Risiko als gering eingeschätzt haben. Vor Ort war dann auch kein Schild zu finden, dass vor Bären gewarnt hätte. Das obige Bild zeigt übrigens den Nantai-san so wie wir ihn am nächsten Tag gesehen haben.

Ich weiß ja nicht, wo die vier Leute ums Leben gekommen sind... Wenn es auf dem Nantai-san passiert ist, hat die Lawine offensichtlich den kompletten Schnee vom Berg ins Tal gerissen ;-) Auf jeden Fall haben wir uns nach dem Anblick des Nantai-san auch keine Sorgen mehr um die Bären gemacht.

Leider waren wir morgens allerdings später aufgebrochen, da die alternative Wanderung deutlich kürzer war. Eine Besteigung war dann also aus Zeitgründen nicht mehr drin. Trotzdem hatten wir einen schönen Tag. Die Wanderung führte uns an drei verschiedenen Wasserfällen vorbei und über ein landschaftlich sehr schönes Hochmoor.

Ziel der Wanderung war Yumoto Onsen. Ein überschaubares Bergdorf mit heißen Quellen. Leider verspricht der Name mehr als die Realität zu bieten hat. Der Ort ist zugepflastert mit großen, heruntergekommenen Hotels. Einziges Highlight waren die heißen Quellen, auch wenn man es in deren Nähe aufgrund des Schwefelgeruchs nicht lange aushalten konnte.

Trotz des etwas enttäuschenden Abschluss hatten wir eine schöne kleine Wanderung gemacht. An den Wasserfällen war zwar aufgrund der stets vorhandenen Bushaltestellen und Parkplätze immer eine Menge los, die Abschnitte zwischendurch waren dafür aber umso ruhiger. Das dürfte immerhin ausreichen, um wieder eine Woche lang die Hektik und die Menschenmassen in Tokio auszuhalten ;-)






















