Freitag, 23. November 2007

Das Kapselhotel

Ich hatte im letzten Beitrag ja bereits erwähnt, dass wir die zweite Nacht in Osaka in einem Kapselhotel verbracht haben. Kapselhotels sind wohl hauptsächlich für Geschäftsleute gedacht, die nach einem erweiterten Feierabendbier die letzte Bahn verpasst haben. Diese fährt nämlich selbst in Osaka oder Tokio schon irgendwann zwischen 0 und 1 Uhr. Der Betroffene ist natürlich nicht auf der Suche nach Luxus, sondern gibt sich mit einer einfachen und möglichst preisgünstigen Schlafgelegenheit zufrieden. Die Beschränkung auf DER Betroffene ist übrigens politisch völlig korrekt, da die meisten Kapselhotels nur männliche Gäste aufnehmen. Als ich in Japan angekommen bin und es noch ziemlich warm war, konnte ich morgens am Bahnhof oft beobachten, dass man sich als Japaner in einer solchen Lage durchaus auch mit einer Bank am Bahnsteig zufrieden gibt. Leider konnte ich mich nicht dazu durchringen, ein Photo von einem dieser Herren in Anzug und Krawatte, die Schuhe ordentlich neben die Bank gestellt, zu machen.



Da es hier in Japan an den Bahnsteigen aber nur wenige Bänke gibt und sich diese Möglichkeit ohnehin nur im Sommer anbietet, gibt es Kapselhotels. Dort nächtigt man einfach in einer circa ein Meter breiten und ein Meter hohen Kiste. Wenn man Glück hat, ist die Kiste annähernd zwei Meter lang. Rund 100 von diesen Kapseln befinden sich dann über- und nebeneinander in einem Stockwerk eines Kapselhotels.



Das erste Kapselhotel, das Capsule Inn Osaka, wurde 1979 im Umeda-Bezirk, einem Vergnügungsviertel in Osaka, eröffnet. Zufällig haben wir genau dieses Kapselhotel ausgewählt. Ob das jetzt besonders gut war oder nicht (es wurden wohl zwischendurch keine größeren Modernisierungsarbeiten durchgeführt), sei mal dahingestellt.



Die Lage war auf jeden Fall großartig: Direkt in einer bunt beleuchteten und laut beschallten Strasse mit unzählig vielen Bars, Restaurants und Spielhallen. An der Rezeption hätte man noch denken können, in einem ganz normalen Hotel gelandet zu sein. Dort bekommt man dann allerdings nicht nur einen "Zimmer"-Schlüssel, sondern auch einen Spindschlüssel. An dem Spind, der sich direkt hinter der Rezeption befindet, zieht man dann einen vom Hotel zur Verfügung gestellten Bademantel an und lässt sämtliche andere Sachen dort. In der Kapsel ist dafür ja auch kein Platz, zudem ist sie auch nicht abschließbar. Dann geht man in eines der oberen Stockwerke zu den Kapseln. In jedem Stockwerk gibt es gemeinschaftliche Toiletten, Waschgelegenheiten und einen Aufenthaltsraum. Insbesondere die Waschgelegenheiten sind mit allem ausgestattet, was man so braucht: Einwegzahnbürste (mit schon aufgebrachter Zahnpasta), Einwegrasierer, Rasierschaum, Afterschave, Haargel, Einwegkamm, Handtücher und vieles mehr. Das muss ja auch so sein, da die Geschäftsleute die letzte Bahn ja nicht vorsätzlich verpasst haben oder das zumindest nie zugeben würden.



Hygienisch versorgt kriecht man dann also in seine Kapsel. Als Europäer haut man sich dabei natürlich noch ein paar Mal den Kopf, die Knie und die Ellbogen an der Innenausstattung der Kapsel (Fernseher, Radio, Wecker und das dazugehörige Bedienelement) an. Um die Privatsphäre ins schier Unermessliche zu steigern, kann man dann noch einen Vorhang an der Luke zum Gang hin herunterlassen.



Geschlafen habe ich miserabel. Das ist allerdings nicht auf den Platzmangel zurückzuführen. Ich bin zwar mit den Füssen an besagten Vorhang gestoßen, aber das war nicht weiter schlimm. Sehr unangenehm war die Tatsache, dass sich so ein kleiner Raum ziemlich stark aufheizt. Es gab wohl eine Lüftung, die war allerdings am Kopfende angebracht, sodass man den kalten Luftstrom dann entweder ins Gesicht oder in den Nacken bekommen hat. Das zweite Problem ist, dass im Laufe der Nacht immer mehr Gäste einchecken. Je später noch welche kamen, desto betrunkener und lauter waren sie scheinbar. Auf jeden Fall bin ich ziemlich oft aufgewacht und war am nächsten Tag doch recht froh, dass wir nicht unserem anfänglichen Übermut gefolgt sind und gleich beide Nächte in einem Kapselhotel verbracht haben. Die Erfahrung möchte ich allerdings nicht missen. Ich möchte sie nur nicht unbedingt noch mal machen.