Mittwoch, 26. September 2007

Chichibu-Tama Nationalpark

Am Montag war hier in Japan ein gesetzlicher Feiertag. Den haben ein Kollege und ich für eine kleine Wanderung im nicht weit von Tokio entfernten Chichibu-Tama Nationalpark genutzt. Obwohl es auch in Tokio den ein oder anderen netten Park gibt, hat es echt gut getan, mal wieder ein bißchen zusammenhängende Natur zu sehen. Und wenn man sich mal anschaut was an einem ganz normalen Samstag in Shibuya - dem Kleidungs-Einkaufviertel Tokios - los ist, kann man sicher auch verstehen wie verlockend die Vorstellung ist, mal wieder nur circa zehn Personen pro Stunde zu begegnen.


Auf jeden Fall hat sich der Ausflug echt gelohnt. Es war zwar total neblig, aber auf dem Hügel, den wir hoch gelaufen sind, ist ein rund 1200 Jahre alter Schrein. Der alte Schrein und der Nebel haben irgendwie ganz gut zusammen gepasst.


Was nimmt man eigentlich in Japan zum Wandern mit? Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung was die Japaner mitnehmen. Ich jedenfalls finde, dass sich Onigiri perfekt für diesen Zweck eignen. Das sind Reisdreiecke, meistens mit Gemüse oder Fisch gefüllt und mit getrockneten Nori-Algen umwickelt. Ich gebe zu, auf dem Photo wirkt es nicht so, aber die sind echt lecker. Außerdem lassen sie sich sauber und unkompliziert aus der Hand essen und sättigen durch den Reis sehr gut. Es ist wohl das japanische Pendant zu unserem Pausenbrot.


Ich glaube, dass ich sehr bald mal einen ganzen Beitrag nur dem Essen widmen muss. Bisher bin ich sehr begeistert vom kulinarischen Angebot. Und vor allem: Meistens ist es äußerst günstig, korreliert also überhaupt nicht mit den Wohnungspreisen. Momentan freunde ich mich gerade mit dem Gedanken an, die alles andere als appetitliche Küche hier im Wohnheim überhaupt nicht zu nutzen... Aber dazu mehr in einem der nächsten Beiträge.

Sonntag, 23. September 2007

Schöner Abschluss der ersten Praktikumswoche

Gleich mal vorneweg, da schon erste Rückfragen kamen: Es gibt hier tatsächlich eine Kernarbeitszeit. Die geht sogar nur von 8 bis 17 Uhr. Allerdings ist es nicht gerade so, dass irgendjemand um 17 Uhr tatsächlich aufstehen und gehen würde. In der Regel bleiben die Leute bis irgendwann zwischen 19 und 20 Uhr. Die arbeiten also schon ziemlich viel hier, wenn auch nicht ganz so viel wie das in anderen Branchen und Firmen üblich ist. Da die Arbeit Spaß macht, die Kollegen nett sind und zu Hause sowieso niemand auf mich wartet, sind die Arbeitszeiten vollkommen OK. Im Grunde kann ich mich glücklich schätzen, dass man bei Mitsubishi Fuso nicht am Samstag arbeiten muss. Das ist hier in Japan nämlich durchaus üblich.

Zum Ende meiner ersten Praktikumswoche habe ich dann zusätzlich zur Morgengymnastik und den "Pausengongs" noch einen kleinen Unterschied zwischen den Tätigkeitsbereichen von deutschen und japanischen Angestellten kennen lernen dürfen: In Japan ist man nämlich selbst für die Sauberkeit seines Arbeitsplatz verantwortlich. Das heißt: Freitags wird nach dem Mittagessen der Boden gesaugt und der Schreibtisch abgewischt. Es gibt hier also ganz andere Möglichkeiten, sich bei seinem Chef einzuschleimen als in Deutschland ;-)

Am Freitag hatten wir in der Abteilung eine super nette Willkommensfeier für die neuen Mitarbeiter und Praktikanten. Dazu ging es in einen Fuso-eigenen Raum, der wohl dem typischen japanischen Esszimmer entspricht: Tatami-Matten auf dem Boden und ein kniehoher Tisch mit Sitzkissen drumherum. Das Essen an sich war sehr lecker und vielfältig. Allerdings ist es für den Ungeübten nicht ganz leicht, an einem solchen Tisch zu essen... Im Schneidersitz sind mir nach einiger Zeit so langsam die Füsse eingeschlafen. Für den Rücken ist es aber bestimmt super, weil man den die ganze Zeit schön gerade halten muss. Eine Lehne gibt es ja nicht. Auf jeden Fall fand ich es total nett, dass viele aus der Abteilung gekommen sind, obwohl es ja hauptsächlich nur neue Praktikanten waren, die willkommen geheißen werden sollten. Die Stimmung war auch sehr locker, ganz anders als bei der Arbeit.

Hier noch ein paar Bilder vom Meiji-Schrein und Ginza (die Park Avenue Tokios) by night. "By night" ist hier übrigens so gegen 18 Uhr! Es wird sehr früh und sehr schnell dunkel. Die Bilder habe ich gestern und heute gemacht. Morgen ist ein Feiertag, da will ich mit einem meiner Kollegen in einen Nationalpark in der Nähe von Tokio fahren. Näheres dazu dann morgen abend oder Anfang nächster Woche.




Donnerstag, 20. September 2007

Guter Start ins Praktikum, Nachtrag zur Wohnung

Mittlerweile habe ich fast schon die erste Woche meines Praktikums hinter mir. Wem Mitsubishi Fuso nichts sagt: Die bauen Nutzfahrzeuge und Busse. Die Abteilung, für die ich arbeite, macht Forschung und Entwicklung für die neuen Motoren und die Abgasnachbehandlung. Ganz genau gesehen, arbeite ich für das Team, dass die Projektplanung für die Abgasnachbehandlung und damit die Einhaltung der kommenden Emissionsnormen sicherstellt. Mein Hauptprojekt im Moment ist die Versuchsplanung. Das Team selbst ist sozusagen eine kleine deutsche Enklave bei Mitsubishi Fuso. So gesehen, hätte ich eigentlich nicht unbedingt so weit fliegen müssen. Allerdings ist die Arbeit hier vor allem dadurch eine besondere Herausforderung, dass es doch des öfteren Kommunikationsschwierigkeiten gibt - insbesondere an den Schnittstellen zu den (natürlich japanischen) Versuchsingenieuren. Dazu kann ich sicher bei Gelegenheit mal etwas mehr erzählen.

Die Randbedingungen passen auf jeden Fall. Die Kollegen sind alle sehr nett. Das Werk und vor allem auch die Kantine sind zwar nicht besonders modern und chic, aber das Essen ist gut. Es ist aber wirklich alles ganz anders als in Deutschland. Morgens um 8 Uhr ertönt im ganzen Werk Musik und eine Stimme, die Gymnastikübungen vorschlägt. Um 12 Uhr klingelt es, dann gehen alle gleichzeitig zum Mittagessen. In der einstündigen Mittagspause gehen sogar die Lichter in den Büros automatisch aus. Klar, dass das Ende der Mittagspause und das Ende der Kernarbeitszeit auch mit einer Melodie angekündigt werden. Besonders das akkustische Signal am Ende der Mittagspause ist wichtig, damit die Japaner, die echt sofort einschlafen, wenn sie gerade mal nichts zu tun haben (nach dem Essen, in der U-Bahn, etc.), wieder aufwachen. Und natürlich gibt es noch viele andere Unterschiede, aber ich muss mir ja auch noch etwas für die kommenden Posts aufheben.

Über meine Wohnung habe ich mich ja schon geäussert. Ich glaube, ich habe es wirklich ganz gut getroffen. Mittlerweile war ich auch schon joggen. Alternativ zu dem schon angesprochenen Park, kann ich auch an einer Art Fluss entlang laufen. Das macht dann doch etwas mehr Spaß. Hier sind nochmal zwei Bilder von der Straße in der ich wohne und von meinem Zimmer. Bevor Rückfragen kommen: Ja, in meiner Straße gibt es einen KFC (und außerdem noch zwei McDonalds) und Nein, ich war noch nicht da. Das japanische Essen ist viel zu gut, als dass ich schon auf US-Fastfood hätte zurückgreifen müssen.


Sonntag, 16. September 2007

Sightseeing in Tokio

Da mein Praktikum erst am Montag beginnt, hatte ich noch den Freitag und das ganze Wochenende, um ein bißchen Sightseeing in Tokio zu betreiben. Natürlich hat das bei weitem noch nicht gereicht, um alles zu sehen. Trotzdem habe ich schonmal ein paar Eindrücke gesammelt.

Angeschaut habe ich mir den östlichen Garten des Kaiserpalasts, den Tokio Tower (Eiffelturmkopie), und die Stadtviertel Ueno und Asakusa. Die letzten beiden Stadtviertel sollen noch in etwa dem Tokio vor dem Wirtschaftwunder in den 70er und 80er Jahren entsprechen: Nicht so hoch gebaut, dafür aber umso enger. Ziemlich interessantes Flair mit vielen kleinen Geschäften. Die modernen Teile Tokios finde ich beinahe etwas enttäuschend. Die Tempel und Schreine wirken zwischen den großen Wohn- und Bürogebäuden etwas fehlplatziert. Wirklich sehenswerte, moderne Gebäude gibt es wiederum auch kaum.

Heute habe ich mir dann Omori, das Viertel, in dem ich wohne, ein bißchen angeschaut. Touristisch gibt es natürlich nichts her, ich war aber auch eher auf der Suche nach einem Park. Ich sehe nämlich schon kommen, dass ich einen solchen ab und an mal brauchen werde, damit ich nicht vergesse, wie Bäume aussehen. Schließlich habe ich dann auch einen Park gefunden. In dem müsste man eigentlich auch ganz gut joggen können. Natürlich ist er nicht besonders groß, aber für drei Monate wird es wohl gehen. Ich kann ja mal mitzählen auf wieviele Runden ich bis zum Ende meines Aufenthalts komme ;-)

Hier noch ein paar Impressionen meiner Sightseeing-Touren:



Donnerstag, 13. September 2007

Die Reise und die ersten Eindrücke

Meine Anreise verlief im Großen und Ganzen recht unkompliziert auch wenn ich einen Teil meiner Sitzfläche an meine XXL-Sitznachbarin abtreten musste und ich das englische Frühstück mit Würstchen und Co. nur deswegen runterbekommen habe, weil ich mir immer wieder eingeredet habe, dass in Deutschland noch Mittwoch abend ist. Aber kritisch habe ich ja eigentlich auch nur die weitere Anreise zu meiner Wohnung gesehen. Und die gestaltete sich dann in der Tat nicht ganz so einfach.

Manchmal weiß man ja erst, wie toll, praktisch und clever manche Sachen sind, wenn man sie mal vermisst. So ging es mir heute in Bezug auf Straßennamen und Hausnummern. Selbige gibt es hier nämlich nicht. Das führt dazu, dass einem selbst die Einheimischen ohne Karte nicht sagen können, wo sich eine bestimmte Adresse befindet. Die fehlende Organisation und Struktur in Bezug auf die Städteplanung machen die Japaner aber allemal mit ihrer Hilfsbereitschaft weg. Der von mir nach dem Weg gefragte Japaner wusste auch nicht wo die Adresse zu finden ist. Als ich mich schon dankend abwenden wollte, meinte er "wait here, please" und ist in mehrere Geschäfte rein, bis er jemanden mit einem Stadtplan gefunden hat. Dieser jemand sprach dann natürlich kein Englisch, also hat mein Helfer solange übersetzt, bis beide überzeugt waren, dass ich nun den Weg kenne.

Meine Unterkunft ist ziemlich einfach und schon etwas abgenutzt aber sauber. Für drei Monate ist es auf jeden Fall in Ordnung. Das Bett ist entgegen meiner Befürchtungen auch lang genug. Von den anderen Bewohnern habe ich bisher nur eine Gruppe von vier Franzosen kennen gelernt, die einen Monat Urlaub in Tokio gemacht haben. Die reisen zwar in drei Tagen ab scheinen aber total glücklich darüber zu sein, mal wieder mit jemandem französisch reden zu können. Vielleicht können die mir zumindest erklären, wie hier der Müll getrennt wird. Dann bräuchte ich die 6(!)-seitige Anleitung nicht zu lesen...

Mittwoch, 12. September 2007

Morgen geht's los...

Mein vorläufig letzter Tag in Deutschland neigt sich dem Ende zu. Es scheint mir zwar recht unwahrscheinlich, dass ich an alles gedacht habe, aber die Taschen sind gepackt. Das eine Gepäckstück, dass mir die Fluglinie größzügigerweise gestattet, ist erstaunlicherweise deutlich leichter als die zulässigen 23 Kilo. Trotzdem bin ich im Laufe des heutigen Tages geschätzte 100 Mal mit und ohne Tasche auf die Personenwaage gestiegen. Auf jeden Fall werde ich froh sein, wenn ich morgen am Flughafen den Check-In hinter mir habe und mein Trolley als Handgepäck akzeptiert wurde.

Ich hoffe, dass ich in Tokio möglichst bald einen Internetzugang habe und dann schonmal meine ersten Eindrücke mitteilen kann. Vor allem aber hoffe ich zunächst mal, dass ich trotz der nicht vorhandenen Japanischkenntnisse meinerseits den Weg vom Flughafen nach Tokio und schließlich zu meiner Unterkunft finde...