Dienstag, 18. Dezember 2007

Die letzte Woche

An meinem letzten Wochenende in Japan wollte ich mich eigentlich auf die Suche nach ein paar nicht kitschigen japanischen Kleinigkeiten machen. Zumindest am Samstag habe ich das dann auch gemacht, ohne allerdings viel Erfolg vermelden zu können. Das Kriterium "nicht kitschig" schließt leider sehr viele typisch japanische Dinge aus. Für Sonntag habe ich mich dann also doch lieber von ein paar Kollegen zu einem kleinen Wanderausflug in einen nahe gelegenen Nationalpark überreden lassen. Das Wetter war sehr schön und die Wanderung hatte einige interessante Passagen. Besonderns entspannend war aber der Onsen (heiße Quelle) mit Freiluftbecken, den wir am Ende der Wanderung noch besucht haben. Direkt nebenan war ein kleiner Tempel. Nichts besonderes, aber immerhin eine gute Gelegenheit, um sich mal genauer damit vertraut zu machen, über welche Opfergaben sich buddhistische Gottheiten so zu freuen scheinen.



Am Montagabend war ich dann mit einem Kollegen in der New York Bar des Park Hyatt Tokyo in Shinjuku. Das Hotel und vor allem die Bar sind aus dem Film "Lost in Translation" bekannt. Die Bar ist sehr empfehlenswert, es gibt Life-Jazz und vor allem ist die Aussicht aus dem 52. Stockwerk des Park Tower Shinjuku ziemlich beeindruckend. Das Preisniveau ist praktischerweise so, dass man auf jeden Fall die letzte Bahn bekommt und am nächsten Tag keinen Kater haben muss. Zumindest nicht als Praktikant. Etwas enttäuscht war ich leider von der mangelnden Aufmerksamkeit der Bedienungen. Allerdings war auch das für uns in Ordnung, weil wir dadurch recht lang bleiben konnten, ohne viel trinken zu müssen ;-)



Der Rest der Woche ist auch schon ziemlich verplant. Heute Abend waren wir auf einem deutschen Weihnachtsmarkt in Roppongi. Morgen feiert meine Abteilung Bonenkai (wörtlich übersetzt die Feier zum Vergessen des Jahres). Am Donnerstag werde ich dann noch mit ein paar Kollegen Kobe Beef essen gehen. Das sind die Rinder, die täglich ein bis zwei Stunden massiert werden. Am Freitag muss ich schon meine Wohnung abgeben und werde dann noch mal eine Nacht in einem typisch japanischen Hotel (Ryokan) übernachten und am Samstag schließlich nach einem ausgiebigen Reis und Fisch-Frühstück die Heimreise antreten. Langeweile kommt also ganz bestimmt nicht auf.

Dienstag, 11. Dezember 2007

Haralds Besuch

Am vergangenen Mittwoch ist Harald in Tokio angekommen, um mich einige Tage lang zu besuchen. Obwohl die Stadt ja nicht ganz klein ist und gleiches auch auf die Bahnhöfe zutrifft, haben wir uns ganz problemlos und genauso wie geplant getroffen. Das ist natürlich völlig banal, ich weiß. Trotzdem erzähle ich davon, weil ich mich die ganze Zeit frage, warum ich zu Hause immer ein Handy brauche, um mich mit jemandem zu treffen… Jedenfalls ist Harald gut angekommen. Abends sind wir dann nur noch in einem Izakaya-Restaurant essen gewesen. Izakaya ist das japanische Gegenstück zur Kneipe mit vielen kleinen Gerichten, die sich ideal zu einem Bier verzehren lassen. Satt wird man auch, wenn man entsprechend viel bestellt.



Am nächsten Tag haben wir ein achtbares Sightseeing-Programm in Tokio durchgezogen. Unter anderem sind wir auf dem Tokyo Tower gewesen. Auch wenn der Tokyo Tower in Sachen Flair nicht mit dem Original im Paris mithalten kann, ist die Aussicht sehr gut. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie weit sich die Stadt in alle Richtungen erstreckt. Unser Timing war auch gut. Wir haben uns von dort oben den Sonnenuntergang anschauen können. Im Gegenlicht hat man dann sogar noch den Fuji-san erkennen können.



Im Anschluss sind wir dann nach Shibuya (eines der Vergnügungsviertel Tokios) gefahren und haben in einem Shabu-Shabu-Restaurant gegessen. Shabu-Shabu ist ein japanisches Fondue mit sehr dünn geschnittenem Fleisch, das man nur kurz in einer heißen Suppe gart - ungefähr so lange wie man braucht um Shabu-Shabu zu sagen, was aber soweit ich weiß nicht der Ursprung der Bezeichung ist ;-). Da wir den angebrochenen Abend nicht ungenutzt lassen wollten, sind wir dann noch nach Roppongi (ein weiteres Vergnügungsviertel) gefahren. Mehr oder weniger unfreiwillig haben wir dann den letzten Zug verpasst, sodass der Abend sehr lang wurde.



Samstags sind wir nach Yokohama gefahren und haben uns die Hafengegend und das Chinatown angeschaut. Abends waren wir dann mit Kollegen von mir in einem brasilianischen Restaurant verabredet. Das Essen dort ist äußerst lecker, wenn man viel Fleisch mag. Die Bedienungen laufen mit großen Fleischspießen herum und kommen so häufig vorbei, dass man es zeitlich kaum schafft, zwischendurch mal an das ebenfalls sehr gute Salatbuffet zu kommen. Auf jeden Fall waren unsere Bäuche zum Bersten voll, als wir danach noch in eine Diskothek weiter gezogen sind. Ob es an den Bäuchen oder an der viel zu lauten Musik lag, weiß ich nicht mehr, aber wir haben es dort nicht bis zum ersten Zug ausgehalten. Glücklicherweise gibt es ja aber McDonalds, um die Zeit zu überbrücken. Leider haben wir allerdings das Prinzip nicht hundertprozentig verstanden. Wir haben eine Kleinigkeit gegessen und uns dann schwätzend dort hin gesetzt. Sämtliche Japaner um uns herum haben einfach den Kopf auf den Tisch gelegt und die Zeit bis zum ersten Zug geschlafen. Das ist wirklich schlau. Wenn man die Zeit noch dazu rechnet, in der die Japaner dann im Zug schlafen, kommt schon ein ordentlicher Schlafvorsprung zustande. Leider kann ich weder in einem Fastfood-Restaurant noch in einem Zug schlafen.



Sonntags haben wir es dann also wiederum ruhiger angehen lassen. Harald und ich haben uns noch Odaiba (Rainbow-Bridge, etc.) angeschaut und uns dann mit einem Kollegen getroffen, um in ein Onsen zu gehen. Im Oedo-Onsen-Monogatari wird Mineralwasser extra aus 1400 Metern hoch gepumpt, damit man sich an der Oberfläche in verschiedenen Bädern erholen kann. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt. Ein kleines Highlight war ein Fußbecken mit kleinen Fischen, die tote Hauptschuppen von den Füßen fressen. Es ist keinesfalls etwas für Leute mit kitzelempfindlichen Füßen, aber dennoch eine sehr interessante Erfahrung. Ich hätte nie gedacht, dass jemand meine Füße zum Anbeißen finden könnte.



Nachdem wir uns am Montagvormittag dann noch die Gegend um den Kaiserpalast angeschaut haben, musste Harald auch schon wieder Richtung Flughafen aufbrechen. Die Zeit ging unheimlich schnell vorbei und es hat viel Spaß gemacht. Überhaupt ist es kaum zu glauben, dass die drei Monate schon so gut wie vorbei sind. In elf Tagen fliege ich schon wieder zurück. Dass ich mich darauf aber auch richtig freue, wird wohl jeder verstehen - besonders wenn man sich anschaut, wie voll die Bahn ist, mit der ich jeden Morgen fahre ;-)

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Farewell-Party und Nokogiri-yama

In einem meiner ersten Beiträge hatte ich ja schon davon berichtet, dass bei Mitsubishi Fuso Welcome-Parties für Praktikanten organisiert werden. Da zwei andere Praktikanten meiner Abteilung am vergangenen Freitag ihren letzten Arbeitstag hatten und mein Praktikumsende ja auch schon bevorsteht, wurde letzte Woche dann auch noch eine Farewell-Party für uns organisiert. So sind wir freitags nach der Arbeit mit den japanischen Kollegen in ein koreanisches Restaurant gegangen. Wir als Verabschiedete wurden natürlich eingeladen. Das Essen war sehr gut. In den Tischen waren Grills eingelassen, an denen man selbst sein Fleisch und Gemüse braten konnte. Unabhängig vom guten Essen war es aber auch mal wieder eine willkommene Gelegenheit um die japanischen Kollegen außerhalb der Arbeit kennen zu lernen. Diese wiederum lassen es sich bei solchen Gelegenheiten jedenfalls nicht nehmen, gemeinsam dem ausgedehnten Bier- und Sake-Genuss zu frönen. Irgendwo muss ja auch der Bedarf an Kapselhotels begründet liegen…



Samstags habe ich es dann aus gegebenem Anlass ziemlich ruhig angehen lassen. Immerhin habe ich es geschafft, noch joggen zu gehen und einen kleinen Ausflug für den nächsten Tag zu planen. Am Sonntag bin ich dann auf die andere Seite der Tokyo Bay nach Chiba gefahren. Dort gibt es einen Hügel, den Nokogiri-yama, der direkt am Meer liegt und auf dem vor 1300 Jahren der Nihon-ji Tempel gegründet wurde.



Neben dem Tempel gibt es auf dem Nokogiri-yama auch die größte Buddha-Statue Japans mit einer Höhe von 21,3 Metern. So zumindest war es vor Ort zu lesen. Nach der Erfahrung mit dem angeblich höchsten Riesenrad der Welt in Yokohama bin ich da skeptisch. Beeindruckend war es in jedem Fall, auch wenn die Statue nur aus dem Jahr 1783 (und damit deutlich jünger als ihre Artgenossen in Kamakura und Nara) und nicht aus Bronze sondern aus Stein ist.



Die kleine Wanderung vom Bahnhof auf den höchsten Punkt des Nokogiri-yama war landschaftlich sehr schön. Leider war es auf dem Nokogiri-yama selbst dann etwas überlaufen, da man auch mit einer Seilbahn hochfahren kann. Und leider war es wirklich nur eine kleine Wanderung, sodass ich nach rund drei Stunden wieder am Ausgangspunkt war. Zum Glück war das Wetter sehr gut, und ich konnte mich noch ein bisschen an den Strand setzen und hoffen, dass sich die Seeluft positiv auf meine Nebenhöhlen auswirkt. Letztere hatten nämlich etwas empfindlich auf das aktuelle Büroklima reagiert: Einige sind krank, trauen sich aber nicht, zu Hause zu bleiben. Das mit der Seeluft scheint aber wirklich funktioniert zu haben.



Heute abend kommt Harald hier in Tokio an und besucht mich bis nächsten Montag. Wir werden uns wohl hauptsächlich Tokio und Yokohama ansehen. Gerade in Tokio gibt es noch so einige Sachen, die ich mir anschauen will. Ansonsten ist das natürlich auch die ideale Gelegenheit sich nochmal die Sachen anzusehen, die mir besonders gefallen haben.

Dienstag, 27. November 2007

Grenzerfahrung Nikko

Am vergangenen Wochenende stand mal wieder ein Weltkulturerbe auf dem Programm. Diesmal allerdings nicht in Kyoto oder Nara, sondern in Nikko, circa 140 Kilometer nördlich von Tokio. Die Wettervorhersage für das Wochenende war sehr gut, also hatten wir gleich zwei Tage eingeplant: Einen um die Tempel und Schreine anzuschauen und einen zum Wandern im nahe gelegenen Nationalpark.



Der erste Tag fing recht unspektakulär an. Das Weltkulturerbe von Nikko umfasst zwei Schreine und einen Tempel. Am meisten beeindruckt hat mich der Tosho-gu-Schrein, vor allem durch die Größe der Anlage. Es gehören zahlreiche Gebäude zum Schrein, interessanterweise auch typisch buddhistische Elemente. Ursprünglich war die Anlage als möglichst prunkvolle Begräbnisstätte für einen Shogun gedacht. Der Erbauer konnte sich hierbei wohl nicht so ganz zwischen Schrein (Shintoismus) oder Tempel (Buddhismus) entscheiden. Irgendwann in der Meiji-Zeit wurde die Anlage dann wohl einfach als Schrein definiert.



Etwas weniger imposant ist der Futara-san-Schrein. Trotzdem fühle ich mich an dieser Stelle verpflichtet auch hierzu ein paar Worte zu verlieren. An diesem Schrein (der soweit ich weiß auch zum Weltkulturerbe gehört) entstand nämlich das folgende Bild:



Ich verstehe ja, dass die ursprüngliche Treppe gewisse Sicherheitslücken aufweist, da kein Geländer vorhanden ist. Trotzdem ist die Lösung, die sich die Verantwortlichen hier haben einfallen lassen, meines Erachtens nicht gerade adäquat für ein Weltkulturerbe. Dass es sich nicht um eine vorübergehende Lösung handelt, zeigt die Tatsache, dass die Farbe des Flatterbands auf der Sonnenseite schon völlig verblasst ist.



Richtig spannend wurde es aber am Abend als wir uns in der Touristeninformation eine Wanderkarte für den nächsten Tag holen wollten. Der eigentliche Plan war, mit dem Bus zum Chuzen-ji-See zu fahren und von dort aus auf den Nantai-san (einen erloschenen Vulkan) zu steigen. Die nette Dame von der Information war kaum noch zu halten als wir sie von unseren Plänen unterrichtet haben. Es sei jetzt (außerhalb der official climbing season) viel zu gefährlich, den Berg zu besteigen. Zudem liege viel zu viel Schnee und gestern seien vier Menschen durch einen Lawinenabgang ums Leben gekommen. Diese Aussagen haben sogar uns Ausländer, die sich im Zweifel nicht von willkürlich gewählten offiziellen Bergsteig-Zeitfenstern beeindrucken lassen, dazu veranlasst, eine Alternative zu wählen. Für die Alternative hat sie uns zwar auch noch vor Bären gewarnt, aber nicht mehr ganz so vehement (kein Witz), sodass wir das Risiko als gering eingeschätzt haben. Vor Ort war dann auch kein Schild zu finden, dass vor Bären gewarnt hätte. Das obige Bild zeigt übrigens den Nantai-san so wie wir ihn am nächsten Tag gesehen haben.



Ich weiß ja nicht, wo die vier Leute ums Leben gekommen sind... Wenn es auf dem Nantai-san passiert ist, hat die Lawine offensichtlich den kompletten Schnee vom Berg ins Tal gerissen ;-) Auf jeden Fall haben wir uns nach dem Anblick des Nantai-san auch keine Sorgen mehr um die Bären gemacht.



Leider waren wir morgens allerdings später aufgebrochen, da die alternative Wanderung deutlich kürzer war. Eine Besteigung war dann also aus Zeitgründen nicht mehr drin. Trotzdem hatten wir einen schönen Tag. Die Wanderung führte uns an drei verschiedenen Wasserfällen vorbei und über ein landschaftlich sehr schönes Hochmoor.



Ziel der Wanderung war Yumoto Onsen. Ein überschaubares Bergdorf mit heißen Quellen. Leider verspricht der Name mehr als die Realität zu bieten hat. Der Ort ist zugepflastert mit großen, heruntergekommenen Hotels. Einziges Highlight waren die heißen Quellen, auch wenn man es in deren Nähe aufgrund des Schwefelgeruchs nicht lange aushalten konnte.



Trotz des etwas enttäuschenden Abschluss hatten wir eine schöne kleine Wanderung gemacht. An den Wasserfällen war zwar aufgrund der stets vorhandenen Bushaltestellen und Parkplätze immer eine Menge los, die Abschnitte zwischendurch waren dafür aber umso ruhiger. Das dürfte immerhin ausreichen, um wieder eine Woche lang die Hektik und die Menschenmassen in Tokio auszuhalten ;-)

Freitag, 23. November 2007

Das Kapselhotel

Ich hatte im letzten Beitrag ja bereits erwähnt, dass wir die zweite Nacht in Osaka in einem Kapselhotel verbracht haben. Kapselhotels sind wohl hauptsächlich für Geschäftsleute gedacht, die nach einem erweiterten Feierabendbier die letzte Bahn verpasst haben. Diese fährt nämlich selbst in Osaka oder Tokio schon irgendwann zwischen 0 und 1 Uhr. Der Betroffene ist natürlich nicht auf der Suche nach Luxus, sondern gibt sich mit einer einfachen und möglichst preisgünstigen Schlafgelegenheit zufrieden. Die Beschränkung auf DER Betroffene ist übrigens politisch völlig korrekt, da die meisten Kapselhotels nur männliche Gäste aufnehmen. Als ich in Japan angekommen bin und es noch ziemlich warm war, konnte ich morgens am Bahnhof oft beobachten, dass man sich als Japaner in einer solchen Lage durchaus auch mit einer Bank am Bahnsteig zufrieden gibt. Leider konnte ich mich nicht dazu durchringen, ein Photo von einem dieser Herren in Anzug und Krawatte, die Schuhe ordentlich neben die Bank gestellt, zu machen.



Da es hier in Japan an den Bahnsteigen aber nur wenige Bänke gibt und sich diese Möglichkeit ohnehin nur im Sommer anbietet, gibt es Kapselhotels. Dort nächtigt man einfach in einer circa ein Meter breiten und ein Meter hohen Kiste. Wenn man Glück hat, ist die Kiste annähernd zwei Meter lang. Rund 100 von diesen Kapseln befinden sich dann über- und nebeneinander in einem Stockwerk eines Kapselhotels.



Das erste Kapselhotel, das Capsule Inn Osaka, wurde 1979 im Umeda-Bezirk, einem Vergnügungsviertel in Osaka, eröffnet. Zufällig haben wir genau dieses Kapselhotel ausgewählt. Ob das jetzt besonders gut war oder nicht (es wurden wohl zwischendurch keine größeren Modernisierungsarbeiten durchgeführt), sei mal dahingestellt.



Die Lage war auf jeden Fall großartig: Direkt in einer bunt beleuchteten und laut beschallten Strasse mit unzählig vielen Bars, Restaurants und Spielhallen. An der Rezeption hätte man noch denken können, in einem ganz normalen Hotel gelandet zu sein. Dort bekommt man dann allerdings nicht nur einen "Zimmer"-Schlüssel, sondern auch einen Spindschlüssel. An dem Spind, der sich direkt hinter der Rezeption befindet, zieht man dann einen vom Hotel zur Verfügung gestellten Bademantel an und lässt sämtliche andere Sachen dort. In der Kapsel ist dafür ja auch kein Platz, zudem ist sie auch nicht abschließbar. Dann geht man in eines der oberen Stockwerke zu den Kapseln. In jedem Stockwerk gibt es gemeinschaftliche Toiletten, Waschgelegenheiten und einen Aufenthaltsraum. Insbesondere die Waschgelegenheiten sind mit allem ausgestattet, was man so braucht: Einwegzahnbürste (mit schon aufgebrachter Zahnpasta), Einwegrasierer, Rasierschaum, Afterschave, Haargel, Einwegkamm, Handtücher und vieles mehr. Das muss ja auch so sein, da die Geschäftsleute die letzte Bahn ja nicht vorsätzlich verpasst haben oder das zumindest nie zugeben würden.



Hygienisch versorgt kriecht man dann also in seine Kapsel. Als Europäer haut man sich dabei natürlich noch ein paar Mal den Kopf, die Knie und die Ellbogen an der Innenausstattung der Kapsel (Fernseher, Radio, Wecker und das dazugehörige Bedienelement) an. Um die Privatsphäre ins schier Unermessliche zu steigern, kann man dann noch einen Vorhang an der Luke zum Gang hin herunterlassen.



Geschlafen habe ich miserabel. Das ist allerdings nicht auf den Platzmangel zurückzuführen. Ich bin zwar mit den Füssen an besagten Vorhang gestoßen, aber das war nicht weiter schlimm. Sehr unangenehm war die Tatsache, dass sich so ein kleiner Raum ziemlich stark aufheizt. Es gab wohl eine Lüftung, die war allerdings am Kopfende angebracht, sodass man den kalten Luftstrom dann entweder ins Gesicht oder in den Nacken bekommen hat. Das zweite Problem ist, dass im Laufe der Nacht immer mehr Gäste einchecken. Je später noch welche kamen, desto betrunkener und lauter waren sie scheinbar. Auf jeden Fall bin ich ziemlich oft aufgewacht und war am nächsten Tag doch recht froh, dass wir nicht unserem anfänglichen Übermut gefolgt sind und gleich beide Nächte in einem Kapselhotel verbracht haben. Die Erfahrung möchte ich allerdings nicht missen. Ich möchte sie nur nicht unbedingt noch mal machen.

Dienstag, 20. November 2007

Kyoto, Nara und Osaka

Nachdem ich neulich ja schon das Tokioter Nahverkehrssystem hinsichtlich seiner Kapazität und Zuverlässigkeit gelobt habe, kann ich dies nun auch auf den Fernverkehr ausweiten. Zumindest auf die Strecke Tokio-Kyoto: 507 Kilometer in knapp über zwei Stunden bei zwei Zwischenstopps. Und das alle 15 Minuten, den ganzen Tag lang. Die Strecke verbindet Tokio mit der ebenfalls dicht besiedelten Kansai-Region, in der Osaka (Japans drittgrößte Stadt), Kobe und Kyoto liegen. Genauso wie das Tokioter Nahverkehrssystem wird auch diese Strecke nahe der Kapazitätsgrenze betrieben. Die Züge sind fast alle voll besetzt. Erstaunlich ist übrigens, dass die Beinfreiheit im Shinkansen, dem japanischen Schnellzug, sehr großzügig bemessen ist. Wer hätte das in Japan erwartet, wo ich mir doch sonst regelmäßig irgendetwas anstoße.



Der langen Rede kurzer Sinn: Wir, ein Arbeitskollege und ich, sind freitags früh sehr entspannt in Kyoto angekommen. Der grobe Plan war, dass wir uns in drei Tagen Kyoto und Nara anschauen. Da wir in Kyoto keine Unterkunft mehr bekommen haben, sind wir auf Osaka ausgewichen. Das hat sich aber als gute Wahl herausgestellt, da es auch dort ein paar Dinge zu sehen gibt und man innerhalb von 40 Minuten mit dem Zug nach Kyoto fahren kann. Außerdem ist Osaka die Stadt der Kapselhotels, sodass wir auch noch diese einmalige Erfahrung machen konnten.



Den Freitag haben wir hauptsächlich in Kyoto verbracht. Kyoto ist im 2. Weltkrieg im Gegensatz zu Tokio weitgehend verschont geblieben, sodass es noch einige sehr ursprüngliche Ecken gibt. Der Grossteil der Stadt ist aber genauso unschön wie der Grossteil von Tokio, was auf den ersten Blick etwas enttäuschend wirkt. Es gibt aber natürlich auch schöne Stadtteile, wie auf dem Bild zu sehen ist. Eine echte Entschädigung sind dann aber die zahlreichen Schreine und Tempel in Kyoto, die deutlich imposanter sind als ihre Artgenossen in Tokio. Beeindruckend ist vor allem die Tatsache, dass viele der Gebäude noch richtige Originale und teilweise auch Weltkulturerbe sind. Die meisten Tempel und Schreine in Tokio sind in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg (wieder auf-)gebaut worden.



Abends sind wir dann nach Osaka gefahren, haben in der Unterkunft eingecheckt und uns dann in der nahe gelegenen Dotonbori – eine sehr belebte Strasse in einem der Hauptvergnügungszentren von Osaka – auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht. Hierbei mussten wir feststellen, dass Osaka mindestens genauso bunt und verrückt ist wie Tokio. Besonders interessant war das abgebildete Kaufhaus mit der riesigen Figur an der Fassade und dem integrierten Riesenrad (die runden Kapseln). Hier gab es echt alles zu kaufen: Von Kostümen über Lebensmittel und Haushaltsgeräte bis hin zu Rolex-Uhren und Louis Vuitton-Taschen.





Am Samstagvormittag haben wir uns das Schloss in Osaka angeschaut und sind dann nach Nara gefahren. Dort gibt es ebenfalls viele als Weltkulturerbe eingestufte Sehenswürdigkeiten. Am imposantesten ist sicherlich der Daibatsu - eine 16 Meter hohe Buddha-Statue aus Bronze – und die hölzerne Halle in der sie steht (mit den goldenen Hörnern). Besonders schön an Nara ist, dass die meisten Dinge in einer Art Park stehen und von Natur umgeben sind. Ein Tempel umgeben von Bäumen wirkt eben ganz anders als ein Tempel umgeben von Betonbauten. Besonders wenn sich die Blätter der Bäume wie in unserem Fall schon sehr herbstlich verfärbt haben.



Zurück in Osaka kam dann der Moment der Wahrheit: Unsere Übernachtung in einem Kapselhotel. Bitte nehmt es mir nicht übel, wenn ich an dieser Stelle nicht darauf eingehe, sondern zeitnah einen extra Beitrag dafür schreiben werde. Der jetzige Beitrag ist auch so schon lang genug. Es war auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung. Soviel sei schon mal vorweg genommen.



Abends haben wir in Osaka dann durch Zufall noch einen „German Weihnachtsmarkt“ entdeckt. Leider war uns noch nicht so sehr nach Glühwein zumute, besonders nicht für den geforderten Preis. Es ist aber äußerst interessant, dass die Japaner scheinbar noch früher in die Weihnachtsstimmung gedrängt werden als die Deutschen. An verschiedenen Stellen wurden wir im Laufe des Wochenendes mit Weihnachtsmusik der übelsten Sorte beschallt. Und das obwohl die Christen mit einem Anteil von rund einem Prozent an der Bevölkerung doch eher eine religiöse Minderheit darstellen.



Sonntags haben wir uns dann noch ein paar Tempel und die Innenstadt von Kyoto angeschaut. Kinkaku-ji, einer der Tempel ist mit seinem goldenen Pavillon wirklich sehr beeindruckend. Von einem anderen Tempel, Ryoan-ji, haben wir uns etwas mehr versprochen. Der Zen-Garten dieses Tempels ist ein Weltkulturerbe. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, aber irgendwie lies das 25 mal 10 Meter große Rechteck mit gerächtem Kies und 15 Steinen meinen Blutdruck nicht übermäßig steigen. Die Aussage des Reiseführers, dass sich die Bedeutung und Tragweite nach längerer Betrachtung erschließen würde, konnte ich aus Zeitgründen leider noch nicht überprüfen ;-)



Das Wochenende war auf jeden Fall sehr gelungen. Besonders Nara hat mir sehr gut gefallen. Und dann war da ja noch die Geschichte mit dem Kapselhotel. Einen kurzen Bericht und ein paar Bilder davon liefere ich auf jeden Fall noch in den nächsten Tagen nach. Versprochen…

Mittwoch, 14. November 2007

Bonsai und Abenteuer Alltag

Das letztes Wochenende war leider ziemlich verregnet. Eigentlich hatten wir einen Ausflug ins Grüne geplant, aber das Wetter hat sich leider nur unter der Woche von seiner guten Seite gezeigt. Pünktlich am Freitag abend hat es angefangen zu regnen und am Montag war wieder blauer Himmel und über 20 Grad angesagt. Man sieht: Einige Dinge sind in Japan eben doch genauso wie in Deutschland ;-)



Immerhin gab es am Sonntag eine ausgeprägte Regenpause. Der Himmel war zwar immer noch drückend grau, aber so konnten wir trotzdem einen kleinen Ausflug ins Grüne machen. Omiya ist eine Stadt rund vierzig Minuten außerhalb Tokyo, in der sich nach dem großen Kanto-Erdbeben von 1923 zahlreiche Bonsai-Züchter niedergelassen haben. Omiya Bonsai Village ist wohl unter Bonsai Kennern international bekannt.



Gelohnt hat sich der Ausflug auf jeden Fall. Ist schon interessant zu sehen, was man mit Bäumen so alles anstellen kann. Leider hatte die Dämmerung schon eingesetzt (war ja auch schon 16 Uhr...), sodass ich mit Blitz photografieren musste und die Farben nicht so ganz rauskommen. Vielleicht habe ich ja nochmal einen halben Tag Zeit, um das ganze nochmal bei Tageslicht und schönem Wetter zu sehen. Es ist nicht weit und wirklich gut geeignet, um der Großstadt mal zwei Stunden zu entfliehen ohne sie wirklich zu verlassen.



Heute konnte ich mich einer kleinen kulturellen Herausforderung stellen: Ein Friseurbesuch. Ehrlich gesagt war im Endeffekt dann doch alles viel einfacher, als ich befürchtet hatte und das Ergebnis ist auch zufriedenstellend. Das ist ja aber nicht selbstverständlich, wenn man mangels Sprachkenntnis keine Wünsche äußern kann. Die Tatsache, dass doch noch ein kleines Gespräch zustande kam, ist einzig und allein den paar Brocken Englisch der Friseurin zu verdanken. Wieder einmal muss ich sagen, dass es doch schade ist, dass meinerseits eben höchstens ein paar Japanisch-Bröckchen vorhanden sind. Für drei Monate geht das ja noch, aber ich habe mittlerweile kaum noch Verständnis für die vielen Deutschen, die hier jahrelang arbeiten und die Landessprache nicht lernen. Zum einen kommt man nur mit Englisch eben nicht richtig an die Leute heran und zum anderen ist das auch im Alltag immer wieder hinderlich. Ich musste neulich zum Beispiel Schnürsenkel kaufen. Das hat zwar geklappt, aber nur weil ich gelenkig genug war, um meinen Fuß auf Thekenhöhe anzuheben und auf die Schnürsenkel zu zeigen. Ich finde, wenn man länger hier ist, sollte man solche Situation souveräner lösen können.

Am kommenden Wochenende steht übrigens wieder eine größere Unternehmung an. Ich fahre zusammen mit einem Arbeitskollegen von Freitag bis Sonntag nach Kyoto. Nächste Woche gibt es also bestimmt wieder mehr zu berichten. Hoffen wir mal, dass wir mehr Glück mit dem Wetter haben als letztes Wochenende.