Dienstag, 11. Dezember 2007

Haralds Besuch

Am vergangenen Mittwoch ist Harald in Tokio angekommen, um mich einige Tage lang zu besuchen. Obwohl die Stadt ja nicht ganz klein ist und gleiches auch auf die Bahnhöfe zutrifft, haben wir uns ganz problemlos und genauso wie geplant getroffen. Das ist natürlich völlig banal, ich weiß. Trotzdem erzähle ich davon, weil ich mich die ganze Zeit frage, warum ich zu Hause immer ein Handy brauche, um mich mit jemandem zu treffen… Jedenfalls ist Harald gut angekommen. Abends sind wir dann nur noch in einem Izakaya-Restaurant essen gewesen. Izakaya ist das japanische Gegenstück zur Kneipe mit vielen kleinen Gerichten, die sich ideal zu einem Bier verzehren lassen. Satt wird man auch, wenn man entsprechend viel bestellt.



Am nächsten Tag haben wir ein achtbares Sightseeing-Programm in Tokio durchgezogen. Unter anderem sind wir auf dem Tokyo Tower gewesen. Auch wenn der Tokyo Tower in Sachen Flair nicht mit dem Original im Paris mithalten kann, ist die Aussicht sehr gut. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie weit sich die Stadt in alle Richtungen erstreckt. Unser Timing war auch gut. Wir haben uns von dort oben den Sonnenuntergang anschauen können. Im Gegenlicht hat man dann sogar noch den Fuji-san erkennen können.



Im Anschluss sind wir dann nach Shibuya (eines der Vergnügungsviertel Tokios) gefahren und haben in einem Shabu-Shabu-Restaurant gegessen. Shabu-Shabu ist ein japanisches Fondue mit sehr dünn geschnittenem Fleisch, das man nur kurz in einer heißen Suppe gart - ungefähr so lange wie man braucht um Shabu-Shabu zu sagen, was aber soweit ich weiß nicht der Ursprung der Bezeichung ist ;-). Da wir den angebrochenen Abend nicht ungenutzt lassen wollten, sind wir dann noch nach Roppongi (ein weiteres Vergnügungsviertel) gefahren. Mehr oder weniger unfreiwillig haben wir dann den letzten Zug verpasst, sodass der Abend sehr lang wurde.



Samstags sind wir nach Yokohama gefahren und haben uns die Hafengegend und das Chinatown angeschaut. Abends waren wir dann mit Kollegen von mir in einem brasilianischen Restaurant verabredet. Das Essen dort ist äußerst lecker, wenn man viel Fleisch mag. Die Bedienungen laufen mit großen Fleischspießen herum und kommen so häufig vorbei, dass man es zeitlich kaum schafft, zwischendurch mal an das ebenfalls sehr gute Salatbuffet zu kommen. Auf jeden Fall waren unsere Bäuche zum Bersten voll, als wir danach noch in eine Diskothek weiter gezogen sind. Ob es an den Bäuchen oder an der viel zu lauten Musik lag, weiß ich nicht mehr, aber wir haben es dort nicht bis zum ersten Zug ausgehalten. Glücklicherweise gibt es ja aber McDonalds, um die Zeit zu überbrücken. Leider haben wir allerdings das Prinzip nicht hundertprozentig verstanden. Wir haben eine Kleinigkeit gegessen und uns dann schwätzend dort hin gesetzt. Sämtliche Japaner um uns herum haben einfach den Kopf auf den Tisch gelegt und die Zeit bis zum ersten Zug geschlafen. Das ist wirklich schlau. Wenn man die Zeit noch dazu rechnet, in der die Japaner dann im Zug schlafen, kommt schon ein ordentlicher Schlafvorsprung zustande. Leider kann ich weder in einem Fastfood-Restaurant noch in einem Zug schlafen.



Sonntags haben wir es dann also wiederum ruhiger angehen lassen. Harald und ich haben uns noch Odaiba (Rainbow-Bridge, etc.) angeschaut und uns dann mit einem Kollegen getroffen, um in ein Onsen zu gehen. Im Oedo-Onsen-Monogatari wird Mineralwasser extra aus 1400 Metern hoch gepumpt, damit man sich an der Oberfläche in verschiedenen Bädern erholen kann. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt. Ein kleines Highlight war ein Fußbecken mit kleinen Fischen, die tote Hauptschuppen von den Füßen fressen. Es ist keinesfalls etwas für Leute mit kitzelempfindlichen Füßen, aber dennoch eine sehr interessante Erfahrung. Ich hätte nie gedacht, dass jemand meine Füße zum Anbeißen finden könnte.



Nachdem wir uns am Montagvormittag dann noch die Gegend um den Kaiserpalast angeschaut haben, musste Harald auch schon wieder Richtung Flughafen aufbrechen. Die Zeit ging unheimlich schnell vorbei und es hat viel Spaß gemacht. Überhaupt ist es kaum zu glauben, dass die drei Monate schon so gut wie vorbei sind. In elf Tagen fliege ich schon wieder zurück. Dass ich mich darauf aber auch richtig freue, wird wohl jeder verstehen - besonders wenn man sich anschaut, wie voll die Bahn ist, mit der ich jeden Morgen fahre ;-)