
Der langen Rede kurzer Sinn: Wir, ein Arbeitskollege und ich, sind freitags früh sehr entspannt in Kyoto angekommen. Der grobe Plan war, dass wir uns in drei Tagen Kyoto und Nara anschauen. Da wir in Kyoto keine Unterkunft mehr bekommen haben, sind wir auf Osaka ausgewichen. Das hat sich aber als gute Wahl herausgestellt, da es auch dort ein paar Dinge zu sehen gibt und man innerhalb von 40 Minuten mit dem Zug nach Kyoto fahren kann. Außerdem ist Osaka die Stadt der Kapselhotels, sodass wir auch noch diese einmalige Erfahrung machen konnten.

Den Freitag haben wir hauptsächlich in Kyoto verbracht. Kyoto ist im 2. Weltkrieg im Gegensatz zu Tokio weitgehend verschont geblieben, sodass es noch einige sehr ursprüngliche Ecken gibt. Der Grossteil der Stadt ist aber genauso unschön wie der Grossteil von Tokio, was auf den ersten Blick etwas enttäuschend wirkt. Es gibt aber natürlich auch schöne Stadtteile, wie auf dem Bild zu sehen ist. Eine echte Entschädigung sind dann aber die zahlreichen Schreine und Tempel in Kyoto, die deutlich imposanter sind als ihre Artgenossen in Tokio. Beeindruckend ist vor allem die Tatsache, dass viele der Gebäude noch richtige Originale und teilweise auch Weltkulturerbe sind. Die meisten Tempel und Schreine in Tokio sind in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg (wieder auf-)gebaut worden.

Abends sind wir dann nach Osaka gefahren, haben in der Unterkunft eingecheckt und uns dann in der nahe gelegenen Dotonbori – eine sehr belebte Strasse in einem der Hauptvergnügungszentren von Osaka – auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht. Hierbei mussten wir feststellen, dass Osaka mindestens genauso bunt und verrückt ist wie Tokio. Besonders interessant war das abgebildete Kaufhaus mit der riesigen Figur an der Fassade und dem integrierten Riesenrad (die runden Kapseln). Hier gab es echt alles zu kaufen: Von Kostümen über Lebensmittel und Haushaltsgeräte bis hin zu Rolex-Uhren und Louis Vuitton-Taschen.


Am Samstagvormittag haben wir uns das Schloss in Osaka angeschaut und sind dann nach Nara gefahren. Dort gibt es ebenfalls viele als Weltkulturerbe eingestufte Sehenswürdigkeiten. Am imposantesten ist sicherlich der Daibatsu - eine 16 Meter hohe Buddha-Statue aus Bronze – und die hölzerne Halle in der sie steht (mit den goldenen Hörnern). Besonders schön an Nara ist, dass die meisten Dinge in einer Art Park stehen und von Natur umgeben sind. Ein Tempel umgeben von Bäumen wirkt eben ganz anders als ein Tempel umgeben von Betonbauten. Besonders wenn sich die Blätter der Bäume wie in unserem Fall schon sehr herbstlich verfärbt haben.

Zurück in Osaka kam dann der Moment der Wahrheit: Unsere Übernachtung in einem Kapselhotel. Bitte nehmt es mir nicht übel, wenn ich an dieser Stelle nicht darauf eingehe, sondern zeitnah einen extra Beitrag dafür schreiben werde. Der jetzige Beitrag ist auch so schon lang genug. Es war auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung. Soviel sei schon mal vorweg genommen.

Abends haben wir in Osaka dann durch Zufall noch einen „German Weihnachtsmarkt“ entdeckt. Leider war uns noch nicht so sehr nach Glühwein zumute, besonders nicht für den geforderten Preis. Es ist aber äußerst interessant, dass die Japaner scheinbar noch früher in die Weihnachtsstimmung gedrängt werden als die Deutschen. An verschiedenen Stellen wurden wir im Laufe des Wochenendes mit Weihnachtsmusik der übelsten Sorte beschallt. Und das obwohl die Christen mit einem Anteil von rund einem Prozent an der Bevölkerung doch eher eine religiöse Minderheit darstellen.

Sonntags haben wir uns dann noch ein paar Tempel und die Innenstadt von Kyoto angeschaut. Kinkaku-ji, einer der Tempel ist mit seinem goldenen Pavillon wirklich sehr beeindruckend. Von einem anderen Tempel, Ryoan-ji, haben wir uns etwas mehr versprochen. Der Zen-Garten dieses Tempels ist ein Weltkulturerbe. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, aber irgendwie lies das 25 mal 10 Meter große Rechteck mit gerächtem Kies und 15 Steinen meinen Blutdruck nicht übermäßig steigen. Die Aussage des Reiseführers, dass sich die Bedeutung und Tragweite nach längerer Betrachtung erschließen würde, konnte ich aus Zeitgründen leider noch nicht überprüfen ;-)

Das Wochenende war auf jeden Fall sehr gelungen. Besonders Nara hat mir sehr gut gefallen. Und dann war da ja noch die Geschichte mit dem Kapselhotel. Einen kurzen Bericht und ein paar Bilder davon liefere ich auf jeden Fall noch in den nächsten Tagen nach. Versprochen…