Meine Anreise verlief im Großen und Ganzen recht unkompliziert auch wenn ich einen Teil meiner Sitzfläche an meine XXL-Sitznachbarin abtreten musste und ich das englische Frühstück mit Würstchen und Co. nur deswegen runterbekommen habe, weil ich mir immer wieder eingeredet habe, dass in Deutschland noch Mittwoch abend ist. Aber kritisch habe ich ja eigentlich auch nur die weitere Anreise zu meiner Wohnung gesehen. Und die gestaltete sich dann in der Tat nicht ganz so einfach.
Manchmal weiß man ja erst, wie toll, praktisch und clever manche Sachen sind, wenn man sie mal vermisst. So ging es mir heute in Bezug auf Straßennamen und Hausnummern. Selbige gibt es hier nämlich nicht. Das führt dazu, dass einem selbst die Einheimischen ohne Karte nicht sagen können, wo sich eine bestimmte Adresse befindet. Die fehlende Organisation und Struktur in Bezug auf die Städteplanung machen die Japaner aber allemal mit ihrer Hilfsbereitschaft weg. Der von mir nach dem Weg gefragte Japaner wusste auch nicht wo die Adresse zu finden ist. Als ich mich schon dankend abwenden wollte, meinte er "wait here, please" und ist in mehrere Geschäfte rein, bis er jemanden mit einem Stadtplan gefunden hat. Dieser jemand sprach dann natürlich kein Englisch, also hat mein Helfer solange übersetzt, bis beide überzeugt waren, dass ich nun den Weg kenne.
Meine Unterkunft ist ziemlich einfach und schon etwas abgenutzt aber sauber. Für drei Monate ist es auf jeden Fall in Ordnung. Das Bett ist entgegen meiner Befürchtungen auch lang genug. Von den anderen Bewohnern habe ich bisher nur eine Gruppe von vier Franzosen kennen gelernt, die einen Monat Urlaub in Tokio gemacht haben. Die reisen zwar in drei Tagen ab scheinen aber total glücklich darüber zu sein, mal wieder mit jemandem französisch reden zu können. Vielleicht können die mir zumindest erklären, wie hier der Müll getrennt wird. Dann bräuchte ich die 6(!)-seitige Anleitung nicht zu lesen...