Montag, 29. Oktober 2007

Bahnfahren in Tokio

Man kennt die Bilder ja aus dem Fernsehen: Tokios Bahnpersonal mit den weißen Handschuhen, das die Pendler in die schon total überfüllten Züge schiebt. Natürlich ist das hier nicht immer so. Bei der Linie, die ich morgens immer zum Bahnhof Shinagawa nehme, müssen die Pendler selbst drücken... Nein im Ernst, auf dem Großteil der Linien ist bei weitem nicht so viel los. Trotzdem gibt es diese absolut vollgestopften Züge hier reichlich. Ich finde dabei immer besonders interessant, wie schnell die stets höflichen und rücksichtsvollen Japaner zu Dränglern und Schubsern werden. Dabei schauen sie einen natürlich nie direkt an, sondern tun so, als hätten sie einen übersehen. Gleiches Phänomen tritt dann übrigens auch beim Umsteigen am Bahnhof auf. Natürlich ist es nicht leicht, jeder Kollision aus dem Weg zu gehen, wenn an einem Bahnhof täglich ungefähr so viele Fahrgäste umsteigen, wie die Deutsche Bahn deutschlandweit transportiert. Der Japaner hilft sich hier, indem er einfach gar nicht nach vorne schaut, sondern auf sein Handy oder auf den Boden. Ist halt dumm, wenn man dann ausgerechnet mit einem (deutlich größeren) Europäer kollidiert ;-)



Wie auch immer, die Menschenmengen, die hier in Tokio tagtäglich unterwegs sind und die überfüllten Züge, werde ich bestimmt nicht vermissen, wenn ich nach Deutschland zurück fliege. Da das den anderen Ausländern in Tokio meist genauso geht, gibt es jedes Jahr am letzten Wochenende im Oktober den Sturm auf die Yamanote-Line. Die Yamanote-Line verläuft kreisförmig durch Tokios Zentrum und ist notorisch überfüllt. Und genau in diese Linie steigen dann die ganzen verkleideten Ausländer (ist ja Halloween) ein und feiern eine Runde lang. Mir hat sich nicht ganz erschlossen, warum man die Bahn unbedingt bewusst so überfüllen muss, wenn es einem sonst so auf die Nerven geht, aber es war ein ganz lustiges Erlebnis. So wie auf dem Photo sieht es morgens auf dem Weg nach Shinagawa übrigens auch manchmal aus, nur ohne die Verkleidungen.

Im Großen und Ganzen kann man aber eigentlich nichts schlechtes über das Bahnfahren in Tokio sagen. Auto ist halt keine Alternative und eine Lösung für die überfüllten Züge kann ich auch keine erkennen. Die Züge sind schon genauso lang wie der Bahnsteig und fahren zur Stosszeit in super kurzen Abständen. Und das tun sie auch noch mit einer unglaublichen Pünktlichkeit. Im Ernst, bereits nach einer Minute Verspätung kommt eine entschuldigende Durchsage und das kommt schon super selten vor. Diese Pünktlichkeit ist auch ein echter Vorteil für Ausländer. Selbst wenn man mal weiter aufs Land rauskommt und nichts mehr lesen kann, hat man immer noch die Möglichkeit, dann auszusteigen, wenn der Zug laut Fahrplan am Zielbahnhof angekommen sein müsste. Das funktioniert echt ziemlich zuverlässig.



Am Sonntag habe ich das schöne Wetter genutzt und mir Shinjuku angeschaut. Hier sind die meisten Wolkenkratzer Tokios zu finden. Ehrlich gesagt ist die Skyline von Frankfurt aber deutlich spektaklärer. Schön ist allerdings, dass man umsonst in das oberste Stockwerk vom Tokyo Metropolitan Government Office kommt und dort eine super Aussicht über die ganze Stadt hat. Leider sind die Photos von dort wegen der Glasscheiben nicht so toll geworden, deswegen an dieser Stelle nur die Aussenansicht des Gebäudes.