Montag, 5. November 2007

Halbzeit und Hakone

Irgendwann letzte Woche habe ich festgestellt, dass die Hälfte meines Aufenthalts in Japan schon vorbei ist. Die Zeit vergeht natürlich weiterhin wie im Flug, das wird sich wohl auch bis zum 22. Dezember nicht mehr ändern. Rückblickend bin ich echt froh, dass ich gleich ab dem ersten Wochenende angefangen habe, die Liste der Dinge abzuarbeiten, die ich gerne sehen und machen will. Die verbleibenden Wochenenden sind jetzt nämlich schon fast komplett verplant.



Dank des guten Wetters am vergangenen Wochenende konnte ich mit ein paar Kollegen einen Punkt dieser Liste abhaken: Hakone. Das unweit vom Fuji-san gelegene Naherholungsgebiet für den Großraum Tokio. Passenderweise war in Hakone-Yumoto, der Onsenstadt (onsen = heiße Quellen), am Samstag sogar ein Festumzug, der an die Züge der Feudalherren mit ihrem Gefolge nach Edo (heutiges Tokio) erinnert. Die genauen historischen Zusammenhänge habe ich jetzt leider nicht mehr parat. Wie man sieht, sind die Japaner aber auf jeden Fall mit viel Spaß bei der Sache.



Von Hakone-Yumoto sind wir dann weitgehend der klassischen Touristenroute der Japaner gefolgt: Mit der Seilbahn über ein paar thermisch sehr aktive Hügel zum Ashi-See, dann mit einem albernen Piratenboot über den See und von dort dann mit dem Bus zurück nach Hakone-Yumoto. Wir haben das allerdings auf zwei Tage verteilt und mit einer sehr schönen Halbtageswanderung ausgebaut.



Am Samstag sind wir von der Endstation der Seilbahn aus noch ein paar Kilometer zu unserer Herberge gelaufen. Diese hat sich dann mal wieder als Glücksgriff erwiesen. Dort konnte man nämlich im hauseigenen Onsen entspannen. Das Wasser hierfür kommt aus den heißen Quellen der Region. Daran kamen auch überhaupt keine Zweifel auf. Das Wasser weist nämlich in abgeschwächter Form den gleichen Schwefelgeruch auf wie die heißen Quellen selbst, an denen wir am nächsten Tag bei der Wanderung vorbei kommen sollten.



Die Wanderung führte uns über den Kami-yama, einen der höchsten Hügel der Region, durch herbstliche Wälder mit beeindruckenden Farben, zurück zur Anlegestelle für das bereits angesprochene Piratenschiff. Warum genau die Japaner es so toll finden, mit einem Piratenschiff den See zu überqueren, hat sich mir leider nicht erschlossen. Allein mit der sicherlich nachvollziehbaren Begeisterung der Kinder kann es nicht erklärt werden. Dafür waren im Verhältnis zu viele Erwachsenen an Bord.



Das Wochenende in Hakone hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn man aufgrund der touristischen Erschlossenheit im Vergleich zum Chichibu-Tama Nationalpark Abstriche machen muss. Dafür waren wir näher am Fuji-san, sodass dieser Dank der guten Sicht zum Photomotiv Nummer Eins wurde.



Ansonsten gibt es noch einen Nachtrag vom letzten Wochenende. Nachdem ich den letzten Beitrag geschrieben hatte, habe ich noch einen neue Joggingstrecke entdeckt: Ein äußerst schöner Park, der nur gut sieben Laufminuten von meiner Wohnung entfernt liegt. Das gute daran ist, dass der Park eine vernünftige Größe hat (zehn Minuten für eine Runde) und ich auf dem Weg dorthin nur eine (!) Ampel überqueren muss. Jetzt muss ich nur noch ein Schwimmbad finden...

Montag, 29. Oktober 2007

Bahnfahren in Tokio

Man kennt die Bilder ja aus dem Fernsehen: Tokios Bahnpersonal mit den weißen Handschuhen, das die Pendler in die schon total überfüllten Züge schiebt. Natürlich ist das hier nicht immer so. Bei der Linie, die ich morgens immer zum Bahnhof Shinagawa nehme, müssen die Pendler selbst drücken... Nein im Ernst, auf dem Großteil der Linien ist bei weitem nicht so viel los. Trotzdem gibt es diese absolut vollgestopften Züge hier reichlich. Ich finde dabei immer besonders interessant, wie schnell die stets höflichen und rücksichtsvollen Japaner zu Dränglern und Schubsern werden. Dabei schauen sie einen natürlich nie direkt an, sondern tun so, als hätten sie einen übersehen. Gleiches Phänomen tritt dann übrigens auch beim Umsteigen am Bahnhof auf. Natürlich ist es nicht leicht, jeder Kollision aus dem Weg zu gehen, wenn an einem Bahnhof täglich ungefähr so viele Fahrgäste umsteigen, wie die Deutsche Bahn deutschlandweit transportiert. Der Japaner hilft sich hier, indem er einfach gar nicht nach vorne schaut, sondern auf sein Handy oder auf den Boden. Ist halt dumm, wenn man dann ausgerechnet mit einem (deutlich größeren) Europäer kollidiert ;-)



Wie auch immer, die Menschenmengen, die hier in Tokio tagtäglich unterwegs sind und die überfüllten Züge, werde ich bestimmt nicht vermissen, wenn ich nach Deutschland zurück fliege. Da das den anderen Ausländern in Tokio meist genauso geht, gibt es jedes Jahr am letzten Wochenende im Oktober den Sturm auf die Yamanote-Line. Die Yamanote-Line verläuft kreisförmig durch Tokios Zentrum und ist notorisch überfüllt. Und genau in diese Linie steigen dann die ganzen verkleideten Ausländer (ist ja Halloween) ein und feiern eine Runde lang. Mir hat sich nicht ganz erschlossen, warum man die Bahn unbedingt bewusst so überfüllen muss, wenn es einem sonst so auf die Nerven geht, aber es war ein ganz lustiges Erlebnis. So wie auf dem Photo sieht es morgens auf dem Weg nach Shinagawa übrigens auch manchmal aus, nur ohne die Verkleidungen.

Im Großen und Ganzen kann man aber eigentlich nichts schlechtes über das Bahnfahren in Tokio sagen. Auto ist halt keine Alternative und eine Lösung für die überfüllten Züge kann ich auch keine erkennen. Die Züge sind schon genauso lang wie der Bahnsteig und fahren zur Stosszeit in super kurzen Abständen. Und das tun sie auch noch mit einer unglaublichen Pünktlichkeit. Im Ernst, bereits nach einer Minute Verspätung kommt eine entschuldigende Durchsage und das kommt schon super selten vor. Diese Pünktlichkeit ist auch ein echter Vorteil für Ausländer. Selbst wenn man mal weiter aufs Land rauskommt und nichts mehr lesen kann, hat man immer noch die Möglichkeit, dann auszusteigen, wenn der Zug laut Fahrplan am Zielbahnhof angekommen sein müsste. Das funktioniert echt ziemlich zuverlässig.



Am Sonntag habe ich das schöne Wetter genutzt und mir Shinjuku angeschaut. Hier sind die meisten Wolkenkratzer Tokios zu finden. Ehrlich gesagt ist die Skyline von Frankfurt aber deutlich spektaklärer. Schön ist allerdings, dass man umsonst in das oberste Stockwerk vom Tokyo Metropolitan Government Office kommt und dort eine super Aussicht über die ganze Stadt hat. Leider sind die Photos von dort wegen der Glasscheiben nicht so toll geworden, deswegen an dieser Stelle nur die Aussenansicht des Gebäudes.

Montag, 22. Oktober 2007

Chichibu-Tama Nationalpark, die Zweite

Am vergangenen Wochenende habe ich mit drei anderen Praktikanten eine 2-Tage-Wanderung im Chichibu-Tama Nationalpark gemacht. In einer Ecke dieses Parks (in der Nähe von Oku-Tama) bin ich vor ein paar Wochen schonmal gewesen, allerdings nur einen Tag. Jetzt war der Plan, von Chichibu aus über den Kumotori-san (2017 Meter) und eine paar andere, niedrigere Hügel nach Oku-Tama zu wandern. So sind wir dann also Samstag morgens in Tokio losgefahren und nach ein paarmal Umsteigen drei Stunden später in einem kleinen Ort namens Owa ausgestiegen. Obwohl wir hier eigentlich nur rund 70 Kilometer Luftlinie von Tokio entfernt waren, hatten wir ganz eindeutig den Bereich verlassen, in dem man es den Ausländern zuliebe für nötig hält, Ortsnamen usw. in lateinischen Schriftzeichen anzugeben. Ich meine das ganz ehrlich nicht als Vorwurf. Es ist ja unser Problem, dass wir nicht Japanisch können. Wie dem auch sei, es erleichtert so eine Wanderung natürlich nicht gerade.

Die Wanderung hatte ich in meinem Reiseführer entdeckt. Der eigentliche Startpunkt sollte der Mitsumine-jinja sein, ein Schrein, den man mit einer Seilbahn von Owa aus erreichen kann. Von der besagten Seilbahn standen zwar noch Masten mit einem verrosteten Seil, von Gondeln oder Sesseln fehlte aber jede Spur. So verlängerte sich der erste Tagesabschnitt mal eben um zwei Stunden und rund 700 Höhenmeter. Insgeheim habe ich mich ja ehrlich gesagt gefreut. Aufstiege mit Seilbahnen zu umgehen ist sowieso was für Weicheier ;-) Problematisch ist halt nur, dass es in Japan ungefähr ab 17 Uhr sehr schnell sehr dunkel wird. Für die weiteren knapp 900 Höhenmeter bis zur Hütte blieb also nicht sehr viel Zeit, zumal es zwischendurch auch immer mal wieder einige Meter runter ging.



An der Hütte anzukommen war echt ein tolles Erlebnis. Es war denkbar knapp. Auf etwa halbem Weg zwischen dem Schrein und der Hütte ist es richtig neblig geworden und den letzten Abschnitt mussten wir dann schon bei stark fortgeschrittener Dämmerung zurücklegen. Eine Schrecksekunde hatten wir dann noch, als wir an einer verlassenen und total heruntergekommenen Hütte vorbei gekommen sind. Besonders ich als Initiator und Organisator der Wanderung habe wirklich schon befürchtet, dass es sich dabei um die Hütte handelt, die laut Reiseführer das ganze Jahr geöffnet hat. Laut Reiseführer hätte es ja aber auch eine Seilbahn geben sollen. Da ich aber im Vorfeld bei der Hütte angerufen hatte ("Hello, do you speak English?", "No English", "Mountain hut?", "Yes!", "Open?", "Yes!"), habe wir uns entschlossen, nicht in die Hütte einzubrechen, sondern weiter zu gehen.



Die richtige Hütte war dann echt ein Glücksgriff. Wir hatten unseren eigenen, mit Tatami-Matten ausgelegten Raum. In der Mitte des Raums war ein niedriger Tisch mit einem kleinen Ofen, sodass wir uns vor dem Essen erstmal schön die Füße aufwärmen konnten. Das Abendessen war dann typisch Japanisch (Misosuppe, gebratenes Fleisch, Kraut, Reis) und sehr gut. Wir waren die einzigen Ausländer in der Hütte und die Japaner hatten ein echtes Interesse an uns. Irgendwie ist es schon schade, dass wir alle nicht viel mehr als Bitte, Danke, Guten Tag und Auf Wiedersehen sagen können. Die Nacht war dann recht kurz, um 6 Uhr gab es Frühstück. Das war wiederum sehr Japanisch (Misosuppe, Fisch, Reis). Bei beiden Mahlzeiten konnte man immer wieder Reis nachordern, die ideale Grundlage zum Wandern also. Die Sonne ging kurz vor dem Frühstück auf, sodass sich das frühe Aufstehen doppelt gelohnt hat.



Das Wetter hatte sich im Vergleich zum Vortag deutlich verbessert. Der Himmel war strahlend blau. Nach einem kurzen Anstieg erreichten wir den höchsten Punkt unserer Wanderung: Den Kumotori-san (2017 Meter). Von hier hatten wir dann eine absolut atemberaubende Aussicht auf den Fuji-san (3776 Meter), Japans höchsten Berg. Auf den würde ich auch unheimlich gerne rauf, leider ist die offizielle Saison aber vorbei, es fahren kaum noch Busse von Tokio aus zum Fuji-san und die Berghütten haben alle zu. Jetzt habe ich ihn zumindest mal gesehen. Wenn man vom Kumotori-san in die andere Richtung geschaut hat, war man nicht nur von der Sonne geblendet, sondern schaute auf Tokio und das als glänzende Fläche im Hintergrund erkennbare Meer.



Die Wanderung ging dann über auf einem Kamm entlang über mehrere Zwischenhügel in Richtung Oku-Tama. Von hier aus hatten wir fast die ganze Zeit eine tolle Sicht auf die bewaldete Hügellandschaft des Nationalparks und den Fuji-san im Hintergrund.



Vor der Heimfahrt haben wir uns in Oku-Tama noch leckeres Tempura (frittiertes Gemüse) gegönnt. Es war also rundum ein gelungenes Wochenende: Viel Natur, tolles Wetter und sogar ein bißchen Abenteuer. Etwas heftig war dann lediglich der Aufschlag in Tokio. Ich werde mich wohl sowieso nie an die Menschenmassen in den Umsteigebahnhöfen gewöhnen, aber nach zwei Tagen in der Einsamkeit der Natur ist man in der Hinsicht wohl noch sensibler.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Tsukiji-Fischmarkt und Tokyo Bay

Am vergangenen Samstag war früh aufstehen angesagt: Wir wollten uns den Tsukiji-Fischmarkt anschauen. Hier können sich Tokios Gastronomen mit allem versorgen, was man aus dem Meer holen kann. Und da sie das relativ früh tun, empfiehlt es sich für Besucher ebenfalls, möglichst früh da zu sein. Aber es lohnt sich, denn selbst wenn es so einen Markt auch in Deutschland gäbe, wäre er ganz sicher nicht für Besucher geöffnet. Hinsichtlich der Hygiene vertraut man hier wohl den Besuchern und stellt allenfalls mal ein Schild hin, auf dem steht, dass man den Fisch nur anfassen soll, wenn man ihn dann auch kauft. Es ist aber auch ohne Anfassen ein Erlebnis, wenn auch teilweise etwas blutig. Bei der Auswahl der Bilder habe ich mich in der Hinsicht aber zurück gehalten.



Auf jeden Fall ist es sehr beeindruckend, wieviele Händler und Käufer auf dem Markt unterwegs sind. Die Waren werden mit Handkarren oder kleinen Transportern durch die Hallen bis zum Ausgang transportiert. Bei diesem regen Treiben wird natürlich wenig Rücksicht auf die fortwährend im Weg stehenden Touristen genommen. Jetzt verstehe ich sehr gut, warum mein Reiseführer ausdrücklich davon abrät, hier mit Kindern herzukommen.



Sonntags habe ich es dann etwas ruhiger angehen lassen und habe mir Odaiba angeschaut. Das ist ein Viertel an der Tokyo Bay. Bei der Gelegenheit ist mir aufgefallen, was mich die ganze Zeit in Tokio gestört hat. Wenn man auf eine Karte schaut, sieht man jede Menge Wasser, was sich aber im Stadtbild dann nicht unbedingt wiederspiegelt. Jetzt habe ich endlich die Ecke entdeckt, wo man tatsächlich merkt, dass Tokio eigentlich an einer Meeresbucht liegt. In Odaiba kann man aber auch noch zu einer anderen Feststellung kommen: Die Japaner kopieren wohl ganz gerne berühmte Bauwerke. In einem meiner ersten Beiträge habe ich ja schon den Tokyo Tower (rot-weiß gestreifter Eiffelturm) angesprochen. Am Sonntag habe ich dann auch noch die Freiheitsstatue entdeckt. Mal schauen, was ich in den verbleibenden zwei Monaten sonst noch alles finde...



Odaiba liegt am östlichen Ufer der Tokyo Bay und ist über die Rainbow Bridge mit dem Rest von Tokio verbunden. Auf dem Rückweg bin ich dann zu Fuß über die Brücke, von wo man eine schöne Sicht auf die Skyline hat. Die Brücke an sich macht besonders nachts aber auch was her. Die Boote mit den roten Laternen im Vordergrund sind übrigens Restaurantboote. Ende Oktober ist von der Abteilung, in der ich arbeite, auch so ein Dinner Cruise organisiert. Das wird bestimmt richtig gut.

Freitag, 12. Oktober 2007

Richtigstellung, Plastikessen und japanische Snacks

Ich bin echt empört: Heute habe ich erfahren, dass das Riesenrad in Yokohama weit davon entfernt ist, das höchste der Welt zu sein. Sogar in Japan gibt es noch höhere! Trotzdem bekommt man diese Unwahrheit während der Fahrt in der Gondel erzählt. Unglaublich!

In einem meiner letzten Beiträge habe ich ja schonmal das Plastikessen angesprochen, das hier in den meisten Restaurants (aller Preisklassen übrigens) im Schaufenster ausgestellt ist. Letztes Wochenende habe ich in Yokohama mal ein paar Bilder davon gemacht. Also ich finde, es sieht teilweise wirklich täuschend echt aus und macht Appetit...



Die japanischen Snacks auf dem nächsten Bild sind allerdings nicht aus Plastik. Ich esse diese asiatischen Reiscracker echt gerne. Das meiste davon bekommt man ja auch in Deutschland im Supermarkt. Trotzdem war ich nach dem Öffnen der Tüte einigermaßen überrascht:



Ist aber alles nicht so schlimm, ich bin in der Hinsicht ja froh über alle neuen Erfahrungen, die ich machen kann. Also runter damit. Mein Urteil ist allerdings, dass der fischige Geschmack nicht so recht mit dem eher würzigen Geschmack der restlichen Cracker harmonieren will. ;-)

Montag, 8. Oktober 2007

Yokohama und Kamakura

Heute ist hier in Japan Physical Fitness Day und da es sich dabei um einen Nationalfeiertag handelt, musste ich heute nicht arbeiten. Dummerweise hat es ziemlich viel geregnet, während es am Samstag und Sonntag ziemlich gut war... Ein normales Wochenende hätte es also auch getan.

Am Samstag habe ich mir Yokohama angeschaut. Das ist die zweitgrößte Stadt in Japan und liegt direkt südlich von Tokio. Die S-Bahn-Fahrt dauert rund 20 Minuten. Man kann nicht behaupten, dass zwischen den beiden größten Städten Japans irgendwelche Felder, Wälder oder Wiesen liegen. Auf der Fahrt werden die Gebäude einfach langsam niedriger und immer kleiner um dann wieder anzuwachsen. Sobald man ein Gebäude sieht, dass höher als alle Gebäude am Anfang der Fahrt ist, muss man aussteigen. Dann ist man in Yokohama und blickt gerade auf den Landmark Tower, das höchste Gebäude Japans.



Architektonisch auch sehr ansprechend ist das an ein Segel erinnernde Pacifico Yokohama. Irgendwo zwischen den beiden steht mit 105 Metern das höchste Riesenrad der Welt. Da bekommt man einen super Überblick über den größten Hafen Japans. Das ist echt eine Fahrt wert, zumal diese auch nur gut 4 Euro kostet. Achja, und Yokohama ist bekannt für sein Chinatown - natürlich das größte in Japan.



Unabhängig von den ganzen nationalen und internationalen Rekorden, hat mir Yokohama super gefallen. Wir haben an einem Tag zu Fuß fast alles gesehen. Irgendwie wirkt die Stadt ein bißchen aufgeräumter als Tokio. Das kann aber auch daran liegen, dass die Stadt doch deutlich kleiner ist.

Am Sonntag war ich dann in Kamakura, eine gute Stunde Zugfahrt südlich von Tokio. Kamakura ist nicht besonders groß, war aber immerhin mal 150 Jahre lang die Hauptstadt von Japan. Überbleibsel dieser Zeit sind die vielen Tempel und Schreine rund um Kamakura. Wir sind schon nördlich von Kamakura ausgestiegen und dann zu Fuß an einigen dieser Tempel vorbei zum Wahrzeichen Kamakuras: Daibutsu, der große Buddha. Die gut 11 Meter hohe und 850 Tonnen schwere Bronzestatue steht da seit gut 750 Jahren. Mittlerweile wurde ihr Sockel erdbebensicher gemacht und ihr Nacken ein bißchen gestärkt. Sonst könnte der Kopf nach vorne kippen, ähnlich wie bei den Japanern in der U-Bahn.



Und heute war ja wie gesagt Physical Fitness Day und schlechtes Wetter. Wenigstens hatte ich so keine Ausreden, um mich vor dem Bügeln zu drücken. Dann bin ich immerhin noch laufen gegangen. Es soll ja keiner sagen, ich würde die Japanischen Feiertage nicht ausreichend würdigen.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Kulinarisches

Und schon wieder eine Woche vorbei seit dem letzten Beitrag. Ich habe zwar erwartet, dass die Zeit hier vergeht wie im Flug, aber irgendwie ist die Zeit noch viel mehr verplant als ich dachte. An den Wochenenden will man ja möglichst viel sehen und unter der Woche bleibt auch kaum Zeit. Da bin ich nur froh, dass ich abends nicht auch noch etwas kochen muss. Wie im letzten Beitrag schon angekündigt, habe ich mich nämlich dazu entschlossen, die nicht ganz so hygienische Küche im Wohnheim nicht zu nutzen.

Das ist auch echt nicht nötig. Allein bei mir direkt vor der Haustür gibt es so viele Take-Aways und preisgünstige Restaurants, dass man es sich als Praktikant durchaus leisten kann, jeden Abend auswärts zu essen. Aber fangen wir mal vorne an. In Bezug aufs Frühstück bin ich noch europäisch eingestellt. Es gibt bei mir in der Nähe sogar zwei Bäcker, die so tun, als wären sie französisch. Einen beachtlichen Anteil der Backerzeugnisse habe ich zwar in Frankreich (wo ich mich ja auch das ein oder andere Mal aufgehalten habe) noch nie gesehen, aber immerhin gibt es dort auch Baguette, Croissant & Co.

Die Kantine des Mitsubishi Fuso Werks in Kawasaki hat zwar den Charme einer Turnhalle, aber das Essen ist gut und günstig. Da ja alle gleichzeitig um 12 Uhr zum Essen gehen (ich berichtete) fällt meine Wahl meistens auf das Gericht mit der kürzesten Wartezeit. Bisher hatte ich mit dieser Taktik meistens ein Curry (natürlich mit Reis) oder ein mehrgängiges japanisches Menü auf dem Tablett. Zweiteres beinhaltet eine Suppe, Gemüse, Reis und Fleisch oder Fisch. Wenn man bei der Reisausgabe "Omori" sagt (heisst wohl so ungefähr "Berg"), bekommt man eine große Portion und wird auf jeden Fall auch gut satt.



Naja, und abends ist die Auswahl auch groß: Sushi vom Band (circa 60 Cent pro Teller) oder sowas ähnliches wie Sushi zum Mitnehmen (siehe erstes Photo), Ramen (Suppe mit Nudeln, wahlweise auch Fleisch, Ei, Algen, ...), eine japanische Lunchbox (siehe zweites Photo), und noch vieles mehr. Bisher habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Natürlich gibt es auch teure Restaurants, aber die vielen kleinen Garküchen und Take-Aways haben echt gute Preise und vor allem leckere Sachen.



In einem bin ich mir auf jeden Fall sicher: Das Essen werde ich vermissen. Es gibt so viele leckere Sachen und was nicht lecker schmeckt, ist wenigstens gesund. In diese Kategorie fallen meines Erachtens Algen. Die schmecken natürlich nicht schlecht, haben aber entweder eine leicht schleimige Konsistenz (frisch) oder kauen sich wie Tapete (getrocknet). Ist aber nicht so tragisch, da sie ja meistens in leckerer Suppe schwimmen oder um leckeren Fisch und Reis herumgewickelt sind.

Das Bestellen ist übrigens auch für Leute wie mich, die des Japanischen nicht mächtig sind, meistens kein Problem. Oft sind die Gerichte schon als - oft täuschend echte - Plastikmodelle im Schaufenster dargestellt. Ansonsten findet man auch in der Karte häufig Abbildungen, auf die man dann deuten kann. Man bekommt also auf jeden Fall etwas zu essen. Was das dann im Einzelnen ist, kann man im Zweifelsfall natürlich nicht nachfragen. Da darf man dann halt nicht so empfindlich sein.

Schade ist, dass Obst hier deutlich mehr kostet als in Deutschland. Den Japanern macht das scheinbar nichts aus, weil sie Vitamine sowieso lieber in Gelform zu sich nehmen. Ist ja auch einfacher und vor allem billiger. Dem Trend zur Synthetiknahrung bin ich noch nicht gefolgt, soviel ist mir der Biss in echtes Obst dann doch noch wert. Und wenn ich krank werde, kann ich immerhin auch mal so einen schicken Mundschutz tragen, mit dem hier jeder Zehnte rumläuft.